Das gebrochene Geschäftsmodell: Bitcoin Treasury Companies stehen unter massivem Bewertungsdruck
Die Ära, in der Unternehmen allein durch das Halten von Bitcoin (BTC) auf ihrer Bilanz einen automatischen Marktaufschlag (Premium) erzielten, scheint vorbei. Aktuelle Marktanalysen zeigen einen massiven Bitcoin Treasury Companies Bewertungsdruck, der das zentrale Geschäftsmodell dieser Firmen fundamental infrage stellt.
Was einst als geniale Strategie galt – über den Aktienmarkt Kapital zu beschaffen, um günstig Bitcoin zu akkumulieren – ist nun ins Gegenteil umgeschlagen. Wenn die Marktkapitalisierung unter den Wert der Bitcoin-Bestände fällt, stehen die Unternehmen plötzlich selbst als das günstigste Angebot am Markt da.
Der gefährliche Abschlag: 40% unter dem Nettoinventarwert (NAV)
Der dramatischste Indikator für den aktuellen Schock ist die Bewertung im Vergleich zum Nettoinventarwert (Net Asset Value, NAV). Der NAV beschreibt den reinen Marktwert der Bitcoin-Bestände. Berichten zufolge handeln heute bereits rund 40 % der Top-100 sogenannten Bitcoin Treasury Companies unter diesem NAV.
Das bedeutet: Anleger, die Aktien dieser Unternehmen kaufen, erhalten implizit BTC zu einem Preis, der günstiger ist als der Direktkauf auf einer Kryptobörse. Die gesamte Geschäftsstruktur wird damit zum Diskont auf Bitcoin-Bestände.
Der Strategy-Effekt
Selbst Branchenführer wie Strategy (ehemals MicroStrategy), der Pionier dieses Geschäftsmodells, sind von diesem Abschlag nicht verschont geblieben. Strategy wird derzeit mit einem Rabatt von etwa 17 % auf seine Bitcoin-Bestände gehandelt. Angesichts der Tatsache, dass diese Unternehmen 2021 teils noch mit einer Prämie von über 100 % gehandelt wurden, ist dies ein epochaler Stimmungswandel. Die Märkte sehen den Mehrwert des Managements, der Infrastruktur und der steuerlichen Vorteile, die früher die Prämie rechtfertigten, zunehmend kritisch.
Das Ende des Goldrauschs: Wie das Geschäftsmodell zerbricht
Das Kerngeschäftsmodell der Bitcoin Treasury Companies beruhte auf einem einfachen, aber mächtigen Prinzip: Der Aktienmarkt gab dem Unternehmen einen Aufschlag auf den Bitcoin-Wert. Diesen Aufschlag nutzten die Firmen, um neue Aktien auszugeben, die Einnahmen in BTC zu reinvestieren und so die Bilanz zu erweitern, ohne die bestehenden Aktionäre zu verwässern.
Equity-Finanzierung wird wertvernichtend
Sobald die Aktien jedoch mit einem Rabatt unter dem NAV gehandelt werden, kippt die Logik komplett. Die Ausgabe neuer Aktien (Equity-Finanzierung) zur Beschaffung von Kapital wird „wertvernichtend“ (value-destructive). Jedes Mal, wenn das Unternehmen Aktien ausgibt, um Bitcoin zu kaufen, nimmt es effektiv weniger Kapital ein, als der gekaufte Bitcoin am Markt wert ist. Dieser Prozess senkt den Wert des Bitcoin-Bestands pro Aktie für die Altaktionäre und beendet damit die Möglichkeit zur Bilanzausweitung über die Kapitalmärkte.
Die GBTC-Analogie: Eine unhaltbare Situation
Makroanalysten wie Alex Kruger sehen in dieser Entwicklung beunruhigende Parallelen zur Situation des Grayscale Bitcoin Trust (GBTC) vor 2020. Der GBTC handelte lange Zeit mit einer massiven Prämie, bevor er durch Marktstrukturen in einen tiefen, strukturellen Abschlag kippte – ein Zustand, den Kruger als „unhaltbar“ und „eine Abscheulichkeit“ bezeichnet.
Diese Analogie impliziert, dass der derzeitige Bitcoin Treasury Companies Bewertungsdruck kein kurzfristiges Phänomen ist, sondern ein Zeichen dafür, dass die Kapitalmärkte die Struktur dieser Vehikel grundlegend neu bewerten.
Aussicht: Konsolidierung und M&A
Die logische Folge des Bewertungsdrucks ist die Erwartung einer Konsolidierungswelle. Unternehmen, die tief unter ihrem NAV gehandelt werden, werden zu attraktiven Übernahmezielen. Ein Großunternehmen kann ein kleineres, rabattiertes Treasury-Unternehmen einfach aufkaufen, um so Bitcoin mit einem eingebauten Rabatt von 10 % oder 20 % zu erwerben.
Dieses Szenario könnte dazu führen, dass finanzstarke Akteure die „Futter für Riesen“ genannten, kleineren Unternehmen schlucken, um ihre eigenen Bestände zu günstigen Konditionen zu vergrößern und den Markt zu bereinigen.
FAQ zum Bitcoin Treasury Companies Bewertungsdruck
1. Was ist eine Bitcoin Treasury Company?
Eine Bitcoin Treasury Company ist ein börsennotiertes Unternehmen, das einen signifikanten Teil seiner Unternehmensbilanz in Bitcoin hält und BTC als primären oder strategischen Vermögenswert betrachtet, anstatt nur operative Geschäfte zu führen. Strategy (MSTR) ist das bekannteste Beispiel.
2. Was bedeutet es, wenn ein Unternehmen unter seinem NAV handelt?
Der Net Asset Value (NAV) entspricht dem Marktwert der Bitcoin-Bestände des Unternehmens. Wenn das Unternehmen unter seinem NAV handelt, ist seine gesamte Marktkapitalisierung niedriger als der reine Wert des gehaltenen Bitcoins. Man kauft die Aktien günstiger, als man die BTC direkt am Markt erwerben könnte.
3. Warum gerät das ursprüngliche Geschäftsmodell dadurch ins Wanken?
Das Modell basierte auf der Ausgabe von Aktien mit einer Prämie (über NAV), um mehr BTC zu kaufen. Handelt die Aktie im Rabatt (unter NAV), ist die Ausgabe neuer Aktien zur BTC-Akquisition „wertvernichtend“, da der Wert pro Aktie für bestehende Aktionäre verwässert wird.
4. Was hat die Situation mit dem Grayscale Bitcoin Trust (GBTC) zu tun?
Analysten ziehen den Vergleich, weil der GBTC ebenfalls von einer massiven Prämie in einen tiefen Abschlag fiel, als sich die Marktstruktur änderte. Dies deutet darauf hin, dass die Märkte die Struktur von Bitcoin-Holding-Vehikeln ohne direkten Rückkaufmechanismus fundamental misstrauen.
5. Führt der Bewertungsdruck zu Unternehmensübernahmen?
Ja, Analysten erwarten eine Konsolidierungswelle (M&A). Unternehmen mit tiefem Rabatt sind attraktive Ziele, da größere Akteure sie übernehmen können, um die gehaltenen Bitcoin-Bestände zu einem Preis unter dem aktuellen Marktwert zu erwerben.
Fazit
Der Wandel von der Prämie zum Rabatt markiert eine Reifung – oder Krise – des gesamten Sektors. Der massive Bitcoin Treasury Companies Bewertungsdruck macht deutlich, dass die Kapitalmärkte nicht mehr bereit sind, einen automatischen Aufschlag für die reine BTC-Verwahrung zu zahlen. Stattdessen werden die Kosten, Risiken und die mangelnde Flexibilität dieser Strukturen gnadenlos eingepreist. Für Investoren bedeutet der Rabatt zwar theoretisch ein Schnäppchen, für die betroffenen Unternehmen jedoch das Ende der bequemen Wachstumsstrategie und die akute Gefahr, zum Ziel aggressiver Übernahmen zu werden. Die erwartete Konsolidierung wird zeigen, welche Firmen über eine tragfähige Unternehmensstruktur verfügen, die über die bloße Speicherung von Bitcoin hinausgeht.
Quellen: dlnews.com, ainvest.com, unchainedcrypto.com,
Focus Keyphrase: Bitcoin Treasury Companies Bewertungsdruck
Meta Description: Der massive Bitcoin Treasury Companies Bewertungsdruck führt dazu, dass 40% der Firmen unter dem Nettoinventarwert ihrer BTC-Bestände gehandelt werden. Experten warnen vor dem Zusammenbruch des Geschäftsmodells und erwarten M&A.


